Es war einmal ein Prinz namens Siddhartha, der vor 2500 Jahren in Lumbini, ein Ort in einem kleinen Königreich im alten Indien geboren wurde. Lumbini befindet sich heute in Nepal. Damals bestanden im Norden Indiens am Fuß des Himalayas zahlreiche kleine Staaten, in denen die Gemeinschaft der Krieger ihren regierenden Fürsten wählte. Siddhartha war der Sohn eines solchen Regenten.
Am Tag der Empfängnis des Siddhartha träumte seine Mutter, die Königin Maya, dass ihr ein Elefantenbaby erschienen und mit sie paarte.
In Indien war damals Brauch, dass die Schwangere in ihr Elternhaus zurückkehren um dort ihr Kind zu bekommen. Auf dem langen Weg in ihr Elternhaus machte die Königin mit der königlichen Karawane am Rand eines großen Waldes einer Pause. Als sie den Wald betrat, fiel sie in eine Art Trance. Sie lief immer tiefer in den Wald und dort wurde Siddhartha geboren.

Das Kind wurde fast ohne Schmerzen geboren. Es hatte eine leuchtende goldene Haut. Es war bei vollem Bewusstsein. Seine Augen waren weit geöffnet, und es war stark genug, um auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Er lief zu seiner Mutter und sagte:“ Ich wurde geboren, um die Erleuchtung zu erlangen und alle Lebewesen vom Leid zu befreien.“ Die Lotusblumen wuchsen, wo sein Fuß den Erdboden berührte.

König Suddhodhana, der Vater des Kindes, gab ihm den Namen Siddhartha, das bedeutet: „Der, der Gutes bringt.“ Dann gab er ein großes Fest, um seinen Sohn dem Volk vorzustellen. Plötzlich, erschien ein unerwarteter Gast. Es war der ehrwürdige Eremit und Astrologe Asita, den seit Jahren niemand mehr gesehen hatte. Asita betrachtete das Kind und es traten Tränen in seine Augen. Er sagte:„Sei nicht beunruhigt, Königin. Das sind Tränen eines alten Mannes, der weiß, dass er nicht lang genug leben wird, um von den Lehren Eures Sohnes zu lernen.
Er wird der Meister der Welt oder ihr Erlöser.“ Daraufhin ließ Shuddhodana seinen Sohn, den er zu einem König machen wollte, weder religiös unterweisen, noch ließ er zu, dass Siddhartha menschliches Leid zu Gesicht bekommen sollte. Eine böse Vorahnung stieg in Königin Maya auf, als ob sie wusste: auch sie würde das Schicksal ihres Sohnes nicht erleben. Eine Woche danach wurde sie von einer schrecklichen Krankheit befallen und starb. Ihre Schwester Prajapati nahm Siddhartha auf und zog ihn mit König Suddhodhana groß.

Schon als Kind zeigte Siddhartha seine außergewöhnlichen Klugheit und Begabung. Er wuchs zu einem jungen Prinzen. Er wurde ein großer Reiter, großer Bogenschütze und spielte mit seinen Freunden das uralte Kampfspiel „Kabadi“. Er bekommt von seinem Vater, der König, 3 Paläste geschenkt für den Winter, für die Regenzeit und für den Sommer. So sollte er davor bewahrt werden, Leid oder Sorgen kennenzulernen.

Mit 16 Jahren heiratete Siddhartha Gautama seine Cousine Yasodhara, eine wunderschöne Prinzessin.

Dennoch war er unzufrieden und unausgefüllt. Mit 29 Jahren, kurz nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula, unternahm er Wanderungen durch die Umgebung außerhalb des Palastes. Auf Wagenfahrten im Schlosspark seines Vaters sah er einen hinfälligen Greis, einen fiebergeschüttelten Kranken, einen verwesenden Leichnam und endlich einen Mönch, der eine verklärende Ruhe ausstrahlte. Die Bilder des Leidens brannten sich unauslöschlich in seine Seele ein. Er erkannte, dass diese Realitäten –Altern, Krankheit, Tod und Schmerz- untrennbar mit dem Leben verbunden sind, dass auch Wohlstand und Reichtum dagegen keinen Bestand haben.

Er beschloss nach einem Weg aus dem allgemeinen Leid zu suchen. Er gab sein jeden Besitz auf, verließ das vermeintlich sorglose Leben im Palast und seine Familie und zog in die Einsamkeit.

Prinz Siddhartha flog mit seinem Freund Channa in den Wald. Er entdeckte dort dürren und nackten Menschen, die im Wald lebten. Channa erklärte ihn, dass sie Asketen waren, die sich von allen Bequemlichkeiten des Lebens getrennt hatten und den Wald erst verlassen, wenn sie die Erleuchtung erlangt haben.

Das beeindruckte Siddhartha und er schnitt sich seine Haare ab. Er gab Channa seine Kette und sagte: “Channa, was ich tue, tue ich für alle Menschen. Ich suche die Freiheit.“ Er ging in den Wald, tauschte seine Kleidung mit der Kleidung eines Bettlers, der vorbeikam.

Er brach allein au in den Wald. Ein Baum, der dieses Zeichen des Mitleids gesehen hatte, sich ihm zu Ehren verneigte, wie er es schon einmal getan hatte. Die fünf Asketen bezeugten diese Wunder und waren von Staunen erfüllt. Sie wurden Siddharthas erste Jünger.
Er verbrachte sechs Jahre im Tal des Ganges und fand doch weder die innere Ruhe noch die ersehnten Antworten. Nah am Hungertod erkannte er, dass auch dies nicht der Weg zur Befreiung sein kann. So gab er die überlieferten Religionen und ihre Methoden auf und widmete sich auf der Suche nach seinem eigenen Weg von diesem Zeitpunkt an der Meditation, das besitzlose Leben eines Bettelmönchs führend, aber nicht länger in strenger Askese. Die Asketen waren enttäuscht von ihm und wandten sich von ihm ab.Der Mittlere Weg war die große Wahrheit, die Siddhartha entdeckt hatte, der Weg, den er der Welt verkünden wollte.

Siddhartha saß unter einem großen Baum außerhalb eines kleinen Dorfes Bodgaya.Er hatte den Mittleren Weg gefunden, und sein Körper war wieder gesund und stark.
Dann näherten sich ihm fünf Mädchen. Sie sahen aus wie unschuldige Dorfmädchen, aber in Wirklichkeit waren es die fünf Töchter des Mara, des Herrn der Dunkelheit. Sie waren die Verkörperungen des Stolzes, der Gier, der Furcht, der Unwissenheit und des Begehrens.

Mara hätte sie geschickt um Siddhartha zu verführen, und von seiner Suche abzubringen. Mara hatte mit großer Schlauheit versucht, Siddhartha zu verführen. Er hatte die Versuchungen des Lebens ganz einfach und natürlich verschleiert. Aber Siddhartha sah durch den Schleier hindurch, weit über die Gegenwart hinaus. Aber nun wurde Mara zornig!

Es schien, als sei Mara besiegt worden, aber in Wirklichkeit, hatte er den Kampf noch nicht aufgegeben. Nun attackierte er erneut. Er sagte: „Du, der dahin geht, wohin keiner wagt zu gehen, willst du mein Gott sein?“ Siddhartha antworte: “Architekt, endlich begegne ich dir. Dein Haus wirst du nicht wieder aufbauen.“ Mara meinte:“Aber ich bin dein Haus und du lebst in mir.“ Siddhartha antworte:“O Herr meines eigenen Ichs, du bist eine Illusion. Du existierst gar nicht. Die Erde ist mein Zeuge.“

Siddhartha gewann die Schlacht gegen das Heer der Dämonen, und zwar allein durch die Kraft seiner Liebe, und weil er das große Mitleid in sich entdeckt hatte. Er hatte jene Stille erreicht, ohne die die Loslösung von allen Emotionen nicht möglich ist. Er war über sich hinaus gelangt. Er war jenseits von Freude oder Leid, jenseits des Unterscheidens, imstande, sich zu erinnern, dass er früher einmal ein Mädchen war, ein Delphin, ein Baum, ein Affe! Er entsann sich seiner ersten Geburt, und den Millionen, die ihr folgten. Er sah weit über das Universum hinaus. Siddhartha hatte erkannt, was die elementare Wirklichkeit aller Dinge ist. Er hatte verstanden, dass jeder Veränderung im Universum eine Ursache vorhergeht. Er wusste, dass es keine Erlösung gibt, ohne Mitleid mit jedem anderen Wesen.
Von nun an wurde Siddhartha „Der Buddha“ genannt, das heisst der „Erwachte“.

Buddha war erfüllt von höchster Glückseligkeit. In seinem Herzen war grenzlose Freude. Viele Tage und Wochen verweilte er unter dem Baum der Erleuchtung, erfreute sich der unaussprechlichen Seligkeit, die nur ein Buddha kennt. Er dachte dann: „Es war so schwer, zum Ende aller Leiden zu gelangen und ein Buddha zu werden. Harte Mühen und lange Zeit hat es mich gekostet. Wenn ich sehe, wie die meisten Menschen so blind und ungewissen sind, frage ich mich, ob es überhaupt jemanden gibt, der diese Wahrheit verstehen kann, die ich entdeckt habe. Wie kann ich sie anderen weitergeben? Es ist vielleicht besser, wenn ich für den Rest meines Leben im Walde bleibe, und mich meines Glückes erfreue, selbst ein Buddha zu sein.“
Dann hörte er in seinem Inneren eine Stimme, die sprach: „Bitte, vergisst uns nicht. Wir sind die leidenden Wesen der ganzen Welt. Viele Jahre haben wir gehofft und gebetet, dass du den Weg entdecken mögest, der allem Leiden ein Ende setzt. Jetzt hast du diesen Weg gefunden, und wir bitten Dich, ihn uns zu lehren. Es ist wahr, dass unser Geist durch Unwissenheit verdunkelt ist, aber bei einigen Menschen ist diese Unwissenheit nicht so groß. Sie werden Deine Lehren verstehen können. Um ihretwillen, so bitten wir Dich, lehre uns alle den wahren Pfad!“
Daraufhin sprach Buddha lächelnd: „Gewiss werde ich lehren, denn der einzige Grund, aus dem ich meinem Leben als Prinz entsagte, was der, einen Weg zu finden, wie ich anderen helfen kann. Und jetzt, da ich ein Buddha bin, werde ich alles tun, was in meinen Kräften steht. Nicht einmal ein Buddha kann jedoch die Leiden der anderen beseitigen, solange diese nicht willens sind, sich selbst zu helfen. Die Menschen müssen erst selbst wirklich nach einem Arzt verlangen, bevor ihnen ein Arzt helfen kann. Und ebenso müssen sie zunächst den Wunsch verspüren, die Lehren von der Wahrheit zu hören, ehe ihnen jemand mit diesen Lehren helfen kann. Aber wer immer es sei, der zu mir kommt mit offenem Herzen, ich werde ihn lehren in der Weise, wie ich es kann.“

Er dachte an fünf Asketen, die damals enttäuschte von ihm abwandten und sie würden ihm zuhören wollen. So zog Buddha durch Dörfer und Städte, viele fühlten sich sofort zu ihm hingezogen. Er war groß und schön, und seine Bewegungen waren voller Würde und Anmut. Sein bloßer Anblick brachten den Menschen Ruhe und Frieden. Einerlei, ob sie reich oder arm, ungebildet oder gebildet, von edler oder niederer Herkunft waren. Buddha behandelte alle mit gleichgroßer Liebe und Achtung. Als der Buddha die Männer erreichte, fühlten diese sofort, dass etwas Besonderes von ihm ausging. Sie vergaßen ihre Absicht, ihn zu übersehen und standen unwillkürlich auf, als er herankam und sprachen: „Sei willkommen, Siddhartha! Eine große Ehre ist es für uns, dass Du uns aufsuchst!“ Buddha gab zur Antwort: „Danke sei Euch für diese freundliche Begrüßung! Ihr sollt aber wissen, dass ich nicht mehr der Siddhartha von früher bin, und dass dieser Name daher nicht mehr zu mir passt. Die ganze Welt liegt im Schlafe tiefer Unwissenheit. Wenn einer die Wahrheit entdeckt hat, so schläft er nicht mehr. Ich bin nun erwacht, denn ich habe die Wahrheit gefunden. Und alle, die in solcher Weise erwacht sind, werden „Buddha“ genannt.“ Da baten die fünf Männer voller Ehrfurcht: „O Buddha, lehre uns, was du gelernt hast, damit auch wir erwachen können.“ So begann Buddha mit seiner ersten Belehrung über Dharma und Vier Edle Wahrheiten.
Es wird erzählt, dass auch viele unsichtbare Wesen diese Belehrung hörten, die sie dann dem ganzen Erdenrund verkündeten: „Der Buddha hat zu lehren begonnen. Möge die ganze Welt sich darüber freuen!“

„Die Kummer einer Mutter“
Viele Menschen fühlten sich zu Buddha hingezogen und wurden seine Schüler. Wenn jemand in einer schwierigen Lage war, ging er zu Buddha und erbat seinen Rat. So gab es da auch eine Frau namens Gotami, deren Kind kürzlich gestorben war. Sie war hierüber so verzweifelt, dass sie den Verstand verlor. Sie irrte mit dem Kind umher auf der Suche nach einem Mittel, wie sie es wieder lebendig machen konnte. Ihre Bekannten hatten Mitleid mit ihr und sagten: „Gotami; du solltest den Buddha aufsuchen. Vielleicht kann er dir helfen.“
So ging sie zu Buddha, das Kind immer noch in den Armen. „Bitte, hole es ins Leben zurück um meinetwillen“, weinte sie. „Ich kann dir helfen, Gotami“, antwortete ihr Buddha sanft, „aber vorher musst du mir etwas verschaffen. Ich brauche ein kleines Senfkorn. Es muss allerdings aus einem Haus kommen, wo noch nie jemand gestorben ist.“
Schnell machte sich Gotami auf den Weg, um ein Senfkorn zu suchen. Sie fragte im erstbesten Haus, und die Frau antwortete ihr:“Natürlich kannst du ein Senfkorn haben. Du kannst haben, was immer du möchtest…..Aber du musst wissen, dass im letzten Jahr mein Mann gestorben ist.“ „O, dann muss ich es woanders versuchen“, erwiderte Gotami und lief weiter zu dem nächsten Haus. Aber überall, wohin sie kam, geschah das Gleiche. Alle wollten ihr helfen, aber in jeder Familie war schon einmal jemand gestorben. Einer hatte vor drei Jahren seine Tochter verloren, einem anderen war tags zuvor der Bruder gestorben. Überall war es das Gleiche.
Am Abend kehrte sie zu Buddha zurück. „ Hast du etwas gefunden?“ fragte er sie. „Wo ist das Senfkorn? Und wo ist dein Sohn? Warum trägst du ihn nicht mehr mit dir herum?“ Sie antwortete: „O Buddha, heute ist mir klar geworden, dass ich nicht die einzige bin, die einen geliebten Menschen verloren hat. Überall sind Menschen gestorben. Ich sehe nun, wie dumm es von mir war, zu glauben, dass ich meinen Sohn wieder ins Leben holen könnte. Ich habe mein Schicksal angenommen und ihn heute Nachmittag beerdigt. Jetzt bin ich gekommen, um Deinen Lehren zu hören. Ich bin jetzt bereit.“
Da sprach Buddha: „Viel hast du heute gelernt, Gotami. Der Tod kommt zu jedem, früher oder später. Aber wenn du die Wahrheit begreifst, kannst du in Zufriedenheit leben und sterben. Bleibe hier und ich werde sie dich lehren“. So geschah es, und bald empfand sie mehr Glück und Frieden als je zuvor.

Buddha hat der König Bimbisara das Versprechen gegeben, zu ihm zurückzukehren und ihm Belehrung zu erteilen. Daher reiste er, als die Zeit dafür günstig war, nach Rajagriha. Vor der königlichen Stadt lag ein Hügel, der „Geierberg“ genannt. Dorthin gingen Buddha und viele seiner Schüler und lebten da in Höhlen. König Bimbisara ging oft zum Geierberg, um den Worten Buddhas zu lauschen. Es kamen auch viele Menschen aus der Stadt, und die Zahl der Anhänger Buddhas nahm ständig zu. Nach einiger Zeit überließen der König und einige der Reichen Buddha und seinen Anhängern Parks, die allen zugänglich waren, und wo jeder seinen Lehren in Ruhe zuhören konnte.

Weil ihm viele Menschen folgten, wurde Devadatta, Buddhas Vetter, von großer Eifersucht gepackt und will ihn vernichten. Er und seinem Freund hatten einen Elefanten gekauft, dem sie Unmengen Schnaps zu trinken gaben. Als er betrunken war, hieben sie mit Stöcken auf ihn ein, bis er in blinder Wut raste. Dann ließen sie ihn frei in die Richtung, aus der Buddha gerade kam, und hofften, der Elefant würde ihn zu Tode trampeln. Als die Schüler den Elefanten auf sie losstürmen sahen, rannten sie angsterfüllt davon, alle, außer Ananda, Buddhas vertrautestem Gefährten, der an der Seite seines Lehrers blieb und sich an dessen Gewand klammerte. Buddha sah den Elefanten kommen, aber, anstatt erschocken zu sein oder wütend, hatte er tiefes Mitgefühl für das arme Geschöpf. Und obwohl der Elefant betrunken und von Sinnen war, konnte er doch die Kraft und die Liebe des Buddhas spüren. Er stoppte seinen rasenden Lauf, ging ganz zahm auf Buddha zu und beugte seinen Kopf zu den Füßen Buddhas herab. Buddha streichelte den Elefant sanft und wandte sich zu Ananda: „Man kann den Hass allein durch Liebe vernichten. Hass kann nicht durch noch größeren Hass beseitigt werden. Dieses ist eine der wichtigsten Lehren.“

Der Mörder namens Ahimsaka, er nannte sich jedoch Angulimala, was „Fingerkranz“ bedeutet und er mordet die Menschen, um deren Fingergliedern zu sammeln. Daraus machte der eine Kette und er wollte eine Kette mit tausend Fingergliedern haben. Also wanderte er herum um zu ermörden. Eines Tages lauerte er seine eigene Mutter. Als Buddha durch das letzte Dorf kam, warnten ihn die Leute: „O Mönch, gehe nicht diesen Weg, dort ist der schreckliche Angulimala, er tötet jeden.“ „Danke, für die Warnung“, sagte der Buddha, „aber ich möchte mich gerne selbst davon überzeugen.“ Die Bewohner des Dorfes schüttelten darüber nur den Kopf. Angulimala sah, wie sich zwei Personen auf sein Versteck zu bewegten, seine Mutter und dieser Mönch. „Warum sollte ich meine Mutter töten, wenn dieser nichtsnutzige, schmarotzende Bettler auch einen Finger hat“, sagte sich Angulimala und ging auf den Buddha zu. Dieser sah Angulimala, machte kehrt und ging ruhigen Schrittes weg. Angulimala lief dem Buddha nach. Doch obwohl er so schnell rannte, wie er, ein junger durchtrainierter Mann, nur konnte - die Entfernung zum Buddha, der ganz gemütlich schlenderte, wurde nicht geringer. „Bleib stehen, Mönch“, rief Angulimala. „Ich bin längst stehen geblieben“, antwortete der Buddha gelassen und ging seelenruhig weiter. Nun fing Angulimala an, an seinem Verstand zu zweifeln. Zwar hielt er absolut nichts von diesen gelbberobten Mönchen, aber man wusste, dass keiner dieser weisen Männer jemals lügen würde. Dieser Mönch ging, sagte aber, er sei stehen geblieben. Dieser Mönch schritt langsam, er aber konnte ihn nicht einholen. Hier geschah etwas, was größer war, als alles, was er bisher erlebt hatte und am erstaunlichsten: zum ersten Mal seit zwei Jahren war da jemand, der absolut keine Angst vor ihm, dem schrecklichen Angulimala, zu haben schien. „Erkläre mir“, rief Angulimala, „wieso Du stehen geblieben bist, und ich sehe dich doch gehen.“ „Nun“, sagte der Buddha, „man kann jederzeit stehen bleiben. Du glaubst, Du kannst mit dem Töten nicht aufhören. Ich aber sage Dir: es geht, halte ein, bleib stehen. So wie auch ich mit dem Töten aufgehört habe, schon vor vielen Leben, ich bin stehen geblieben, jetzt bin ich ein heiliger Mann. Was ich erreicht habe, das kannst auch du erreichen.“ „Ich bin sowieso verloren“, entgegnete Angulimala, „sie werden mich töten.“ „Du bist ein erbärmlicher Feigling, Angulimala. Ich sage dir: du kannst stehen bleiben, ich sage dir, was ich erreicht habe, das kannst auch du erreichen, Mann hab endlich etwas Mut.“ So war Angulimala noch keiner gekommen, er war erschüttert, fiel unter Tränen auf die Knie und bat den Buddha, ihn als Schüler anzunehmen „Komm und sieh, Mönch“, sagte der Buddha zu dem Mörder, der von nun an nicht mehr Angulimala hieß, sondern wieder Ahimsaka.

Eines Tages sprach Buddha zu seinen Anhängern: „Es ist an der Zeit, dass ich nach Kapilavastu, in die Stadt meines Vaters, zurückkehre.“ Und sie machten sich auf den langen Weg zu Buddhas Elternhaus. Schnell verbreitete sich die Nachricht, dass Buddha sich der Stadt nähere, und jeder war darüber glücklich erregt. König Shuddhodana war überglücklich, als er erfuhr, dass sein Sohn heimkehrte. Als er hörte, dass Buddha viele Anhänger hatte, war er stolz und dachte: „So ist aus meinem Sohn also doch noch ein großer Mann geworden. Er hat meinem Namen große Ehre gemacht.“ Doch als er erfuhr, dass Buddha um Nahrung erbetteln musste, war er zornig darüber: „Mein Sohn, ein königlicher Prinz, ist zu einem Bettler geworden. Ich bin entehrt! Das muss ein Ende haben!“ Er ritt zu einem Ort, wo seinen Sohn weilte. Als er Siddhartha sah, der nun ein leuchtender Buddha geworden war, umgeben von Hunderten von Schülern, war er ergriffen. Sie begrüßten sich voller Liebe. Dann fragte der König, ob es stimmt, dass Buddha sein Essen betteln geht. Er war entsetzt und dann meinte Buddha: „Ich bin Buddha, alle Lehrern, den Buddhas der Vergangenheit, waren sehr bescheiden.“ Dann nahm er seinen Vater bei der Hand, und sie gingen lange nebeneinander her. Er lehrte seinen Vater die Vier Edlen Wahrheiten und den Weg, der zum Ende aller Leiden führt. Der Vater hörte ihm zu und sprach dann: „Es ist wahr, Du bist weit mehr als nur mein Sohn. Wie es Asita, der Heilige, vorausgesagt hat, bist Du ein großer Lehrer geworden. Ich verneige mich vor Dir, Buddha. Ich bitte Dich, nimm mich, der ich einst wünschte, dass Du ein König würdest, als Deinen Schüler an.“
Wenig später baten auch Buddhas Frau Yasodhara, sein Sohn Rahula, die Tante, die ihn erzogen hatte, und viele andere aus dem Palast, dass er sie als Schüler annehmen möge. „Wir waren tief unglücklich, als Du vor vielen Jahren von uns weggeritten bist“, so sagten sie, „aber nun hast Du uns mit deinen Lehren Glück und Frieden in unsere Herzen gebracht. Wir sind nun froh, dass Du uns verlassen hast und als Buddha heimgekehrt bist.“

Als Buddha achtzig Jahre war, dachte er: „Ich habe alles getan, um anderen zu helfen. Ich habe sie gelehrt, wie sie in Liebe leben und ihre Angst überwinden können. Nun ist die Zeit gekommen, ihnen zu zeigen, wie man diese Welt ohne Angst verlassen kann.“ Er rief daher seinen treuen Gefährten Ananda zu sich und sagte zu ihm: „Es ist an der Zeit, ein letztes Mal nach Kapilavastu zu gehen. Ich möchte in der Stadt sterben, in der ich große geworden bin.“ Ananda war vor Schmerz wie gelähmt. „O Buddha“, sagte er unter Tränen, „bitte verlass uns nicht. So viele Jahre hast Du uns geleitet. Was sollen wir den ohne Dich tun?“ Und er begann bitterlich zu weinen. Buddha sprach zu ihm: „Weine nicht, lieber Ananda. Ich habe euch stets gelehrt, dass der Tod ein natürlicher Teil des Lebens ist. Es gibt keinen Grund zur Furcht. Verstehe das doch! Und wenn ich dich verlasse, so sind die Lehren dein Begleiter. Wenn du sie mit dem Herzen verstanden, dann brauchst du mich nicht mehr. Komm, lass uns gehen.“ Und so zogen Buddha und seine Schülern gen Norden. Unweit von Kapilavastu kamen sie durch das Dorf Kushinagar. Buddha bat, dass man dort anhielte und eine Rast einlege. Dann sagte er zu Ananda: „An diesem Orte werde ich euch verlassen.“ , ging in den Garten hinaus und legte sich unter zwei Bäume zur Ruhe. Seine Anhänger sammelten sich in einem Kreis um ihn. Einige weinten, aber anderem deren Geist zu vollkommener Ruhe gelangt war, schauten schweigend auf ihn. Und nun sprach Buddha zum letzten Male: „Vergeßt nicht, was ich euch gelehrt habe. Begierde und Verlangen sind Ursache allen Leids. Alles unterliegt dem Wandel, daher hängt euer Herz an nichts. Setzt alles daran, euren Geist von Unreinheit zu befreien und das wahre, das dauernde Glück zu finden“. Dann drehte Buddha sich zur rechten Seite und legte die rechte Hand unter seinen Kopf. Er schloss die Augen und verließ die Welt in vollkommenem Frieden. Es war der Tag des vollen Mondes im vierten Monat.
Nachdem einige Zeit vergangen war, nahmen die Schüler den Leichnam und legten ihn auf einen großen Scheiterhaufen. Sie wollten ihn verbrennen, wie es der Brauch war, aber es gelang ihnen nicht, ein Feuer zu entfachen. Da kehrte Buddhas erster Schüler von einer Reise zurück. Er war nicht da gewesen, als Buddha starb, und er war nach Kushinagar geeilt, sobald er erfahren hatte, dass Buddha diese Welt verlassen werde. Und als er jetzt Buddha die letzten Ehren erwiesen hatte, fing das Holz von allein an zu brennen. Lang brannte es, bis nichts mehr übrig war, außer ein wenig Asche.
Geschrieben von Arya Tara
Quelle: DVD “Little Buddha” und Buch Prinz Siddhartha von Jonathan Landaw und Janet Brooke.
